Die Geschichte Klausens

Die Geschichte Klausens beginnt mit dem Wirken des Marienverehrers Eberhard. An einer unbewohnten Stelle am Ort der heutigen Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung stellte Eberhard um 1440 eine Figur der schmerzhaften Muttergottes auf. Die Figur stand auf einem 12 Fuß hohen Bildstock. Am Ort der Muttergottesfigur rastete der Tagelöhner auf dem täglichen Weg zur Arbeit. Beseelt durch eine Vision entschied sich Eberhard dazu, ein Häuschen an der Stelle des Bildstocks zu bauen.

Die adligen Herren von Esch stellten ihm auf der Gemarkung des Dorfes Krames ein Stück Land für dieses Marienhäuschen zur Verfügung, auf dem Eberhard 1442 mit Hilfe der Einwohner das kleine Bauwerk („clusula") fertig stellte. Es war drei Schritte lang, zwei Schritte breit, drei Schritte hoch und hatte ein pyramidenförmiges Dach. In der Südseite befand sich ein Fenster, während die Nordseite geöffnet war. Nach dem Bau der Klause verkaufte Eberhard all seinen Besitz und erstand davon eine tragbare Glocke, einen eisernen Leuchter sowie ein Marienbild, welches dem ersten glich. Dieses stellte er vor das Fenster der Südseite, die Nordseite schloss er mit einem Eisengitter ab.

Bald kamen die ersten Pilger und hinterließen nicht selten Opfergaben vor dem Marienbild. Nachdem diese oftmals gestohlen wurden, baute Eberhard sich eine Hütte neben das Marienhäuschen und lebte dort als Einsiedler bzw. Klausner, wovon sich der Ortsname Eberhardsklausen bzw. heute Klausen ableitet.


"Wunder" im Marienhäuschen

Mit der Zeit erlangte der Ort eine gewisse Berühmtheit aufgrund der immer wieder auftretenden "Wunder". Die Entwicklung wurde dem Pfarrer von Piesport, in dessen Pfarrei der noch junge Wallfahrtsort lag, unangenehm, da er eine Beeinträchtigung seiner Kompetenz und eine Schmälerung seiner Einkünfte fürchtete. Deshalb nutzte er jede Gelegenheit, das begonnene Werk zu stören.

Überliefert ist folgende Begebenheit: Anna, die Gattin Gotthards von Esch, befiel eine schwere Krankheit. Sie beauftragte ihren Kaplan Nikolaus, für ihre Genesung eine Messe in dem ungeweihten Marienhäuschen zu halten. In deren Verlauf wurde Anna nach Erhalt der Kommunion geheilt. Der Pfarrer von Piesport, Johann Ordonis, verklagte daraufhin den Kaplan beim kirchlichen Gericht in Trier. Dieses befand ihn für schuldig, ohne Erlaubnis zelebriert zu haben. Nikolaus blieb straffrei, jedoch setzte Ordonis durch, dass Eberhards Marienbild in die Piesporter Pfarrkirche St. Michael gebracht wurde.

Als Wilhelm von Esch das erfuhr, ließ er Eberhard in ein Haus einschließen, in der geheimen Hoffnung, durch seine Tat die Bevölkerung gegen den Piesporter Pfarrer zu mobilisieren. In der Tat erlaubte der Trierer Bischof später, das Bild in das Marienhäuschen zurück zu bringen. Eberhard kam frei und hängte das Bild an seinen alten Platz.

Vom Marienhäuschen zur ersten Saalkirche

Durch die Zunahme der Pilger beschloss Eberhard, das Marienhäuschen durch eine Kapelle zu ersetzen. Erzbischof Jakob von Sierk gab seine Einwilligung.
1444 wurde das erste Marienhäuschen abgerissen und eine quadratisch angelegte Kapelle von fünf Schritt in Länge und Breite erbaut. Eine erneute bauliche Vergrößerung fand in den Jahren 1447-1448 statt. Man errichtete nun eine kleine Saalkirche ("ecclesia"), die 26 Schritt lang und 12 Schritt breit und innen mit zwei Altären ausgestattet wurde. Erweitert diese erste Vorgängerkirche der heutigen Wallfahrtskirche, um einen zweigeschossigen Turm im Westen und um eine Sakristei vermutlich im Süden des Gotteshauses.

Die 1445 errichtete Kapelle, die sich ungefähr an der Stelle der heutigen Gnadenkapelle befand, blieb stehen, wurde aber, so vermutet man, in die Gesamtanlage einbezogen. Am 25. März 1448/49 weihte der Trierer Erzbischof Jakob von Sierk die neue Kirche ein. Hauptpatronin wurde Maria.


Klostergründung durch die Windesheimer Kongregation

Nach dem Tod Eberhards im Jahr 1451 stieg die Anzahl der Pilger weiter an, was eine langfristige Ordnung der seelsorglichen Verhältnisse notwendig machte. In dieser Zeit bahnte sich die Klostergründung an. Auf Kardinal Nikolaus von Kues dürfte es zurückzuführen sein, dass man in Eberhardsklausen ein Kloster der Augustiner-Chorherren der Windesheimer Kongregation begründete. Noch kurz vor seinem Tod sprach sich Erzbischof Jakob von Sierk dafür aus, im noch jungen Wallfahrtsort ein Windesheimer Reformkloster einzurichten, das die Ordensreform im Bistum Trier stärken sollte. Hierauf wurden 1456 die ersten Augustiner-Chorherren aus den Klöstern Niederwerth bei Koblenz und Bödekken in Westfalen in Eberhardsklausen angesiedelt.

1459 übertrug der neue Erzbischof Johann II. von Baden die Kirche mit all ihren Rechten und Gütern den Kanonikern der Kongregation und unterstellte sie der Aufsicht durch das Windesheimer Generalkapitel. 1461 wurde das neu erbaute Kloster in den dortigen Klosterverband aufgenommen. Von nun an wirkten in Eberhardsklausen viereinhalb Jahrhunderte lang die Augustiner-Chorherren der Windesheimer Kongregation.

Im 15. Jahrhundert ging von dem ursprünglich aus den heutigen Niederlanden stammenden Reformorden eine Erneuerung des kirchlichen und religiösen Lebens aus. Die Windesheimer Klosterreform stand in ihrer Blüte. Entsprechend konnte noch unter dem ersten Klausener Prior Hermann Kleyman (+1467) mit dem Bau der Klosteranlage und der heutigen Wallfahrtskirche begonnen werden, der 1502 abgeschlossen wurde.

Im 16. Jahrhundert errang Eberhardsklausen eine hervorragende Stellung im Bistum Trier. Die Ordensgeistlichen wurden reformerisch tätig und betreuten zeitweilig St. Agneten in Trier, St. Thomas in Andernach sowie das St. Nikolaus-Hospital/Cusanusstift in Bernkastel-Kues.. Aufgrund der umfangreichen Opfergaben konnte das Kloster auch seinen Landbesitz erweitern. Hierbei handelte es sich vorwiegend um Weinberge an der Mittelmosel. Bis ins 18. Jahrhundert besaß das Kloster ca. 350.000 Weinstöcken und war somit der fünftgrößte Weinbergsbesitzer im Kurfürstentum Trier.

1802 wurde der Konvent nach der Besetzung der linksrheinischen Gebiete durch die französischen Revolutionstruppen im Rahmen der Säkularisation der Klöster aufgelöst.. Die Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche mit den beiden Filialgemeinden Pohlbach und Krames.

1927 wurde die Pfarrei zum Sitz eines Dekanates erhoben. Entscheidend für die Entstehung des Ortes war die Wallfahrt. Nach mehrfachen vergeblichen Versuchen diese einzuschränken oder gar abzuschaffen, z.B. in der Zeit der französischen Besatzung um 1800, während des Kulturkampfes im 19. Jahrhundert sowie in der Zeit  des Nationalsozialismus, wurde die Wallfahrt nach dem 2. Weltkrieg wieder erfolgreich fortgesetzt.

Zeitweilig besuchten jährlich fast 120.000 Pilger und ca. 700 organisierte Wallfahrtsgruppen unseren Wallfahrtsort.

Gründung eines neuen Klosters im August 2008

Nachdem bereits 1917 in Klausen einen neues Dominikanerinnenkloster gegründet wurde, ging 1981 auch die seelsorgerische Betreuung der Pfarrei an die Dominikaner über. Trotz der Auflösung des Frauenklosters im Jahr 2000, blieben die Dominikaner in Klausen und gründeten am 15. August 2008 die kleine Kommunität „Domus St. Katharina von Siena“. Die Dominikaner möchten mit ihrer Präsenz die Wallfahrt unterstützen und Klausen als spirituelles Zentrum stärken.

Klausen ist heute nach St. Matthias der zweitgrößte Wallfahrtsort im Bistum Trier. Die Wallfahrtszeit beginnt im Marienmonat Mai und endet im Oktober.